Unsere Erwartungen an einen Familienurlaub sind häufig zu groß. Konflikte sind dann vorprogrammiert.
Schon fast Mitte September. In Berlin sind wir gerade in die sechste Woche des Schuljahres gestartet. Langsam wird es kühler und ich hoffe, dass mit den sinkenden Temperaturen auch meine gute Laune zurückkehrt. Es soll ja tatsächlich Forscher geben, die übermäßig heißes Wetter mit Aggressionen in Verbindung bringen. Ich bekomme bei Hitze einfach nur schlechte Laune. Sogar im Urlaub und sogar auf der Lieblingsinsel der Deutschen.
Hätte ich gewußt, welche Urlaubs-Schauergeschichte mich in diesem Jahr neben den hohen Temperaturen dort erwartet, wäre ich sowieso lieber zuhause geblieben. Darf ich rekapitulieren? Eigentlich begann alles sehr verheißungsvoll. Die grölenden Kegelclubs, die uns an der “Playa de Palma“ sonst immer um den Nachtschlaf gebracht haben, waren in diesem Sommer aus irgendeinem Grund ausgeblieben.
Wir hofften also das Beste: Endlich mal so richtig Zeit füreinander zu haben, reden, kuscheln, lachen, gemeinsam etwas erleben – ja das klingt so gut. Doch an diesem Anspruch sind wir in diesem Sommer klar gescheitert. Zweimal musste die gesamte Familie innerhalb von nur drei Wochen alle Sachen packen und die Unterkunft wechseln. Und also wäre das noch nicht genug gewesen, bekam ich eines Nachts auch noch Zahnschmerzen.
Der Zahnarzt-Alptraum
Es begann eine Zahnarzt-Alptraum in drei Akten. Erster Akt: Ich landete bei einem unsympathischen deutschen Zahnarzt, der das spanische Steuersystem verfluchte und mir einen Zahnnerv zog. Meine Zahnschmerzen gingen aber trotzdem nicht weg. Zweiter Akt: Mein Besuch bei einer ausgesprochen netten mallorquinischen Zahnärztin mit einem strahlenden Lächeln, die mir erst ein Antibiotikum verschrieb und dann noch eins. Dritter Akt: Ein angeschlagenes Immunsystem.
Wie schlug sich meine Familie beim Krisenmanagement? Eigentlich gar nicht so schlecht – mein Mann chauffierte mich geduldig von einer Zahnarztpraxis zur nächsten, meine Kinder ertrugen meine Unpässlichkeit mit Engelsgeduld, drückten und spornten mich zwischendurch immer mal zum Durchhalten an. Nach etwa zwei Wochen ließ ihre Geduld allerdings deutlich nach und aus dem “Mama, du schaffst das!“ wurde ein “Mama, das dauert jetzt aber schon viel zu lange – was wir aus unserem Urlaub?“ Was soll ich sagen – wirklich überraschend kam diese Frage nicht. Denn der Druck, der auf Familienreisen heute lastet, könnte eigentlich größer nicht sein. Zahnschmerzen passen da einfach nicht ins Konzept. Ein Urlaub mit Kind und Kegel muss perfekt sein. Und nichts ist schrecklicher als Ferien, in denen die ganze Familie mal nicht glücklich ist.
Konflikte im Urlaub
Dabei sind Konflikte im Urlaub, besonders bei heranwachsenden Kindern, doch eigentlich vorprogrammiert. Denn gerade während einer Ferienreise prallen die unterschiedlichsten Erwartungen aufeinander: Die meisten Eltern hoffen auf ein bißchen Ruhe. Jeden Tag dieselbe einfache Routine: Keine Termine, ein gutes Buch lesen, ein Glas Wein in der Hafenbar trinken, spazieren gehen. Unsere heranwachsenden Kinder erwarten aber vor allen Dingen eines – Action-Urlaub. Bungeesprünge, Speedboot, Mountainbike und jeden Tag etwas neues erleben. Entspricht die Urlaubsrealität nicht ihren Vorstellungen, sind sie schnell gelangweilt und schauen auf ihr Handy.
Aus besonderem Anlass halte ich an dieser Stelle mit einem Augenzwinkern also mal eines fest: Wenn man es ganz genau nimmt, ist eine Ferienreise mit der Familie keine Zeit zum Ausruhen sondern eine Zeit für Konflikte. Denn Zahnschmerzen kann man immer bekommen und die sich daraus ergebenden Probleme und Streitigkeiten brauchen Zeit – aber im Urlaub haben wir ja reichlich davon.
Schöne Erzählung 🙂
wir (unser 4 jähriges Kind+Mann+ich)werden nächstes Jahr zu meinem Heimatland Peru für ca. zwei Monate Reisen.
Hoffentlich diese ganz anders aussehen wird.
Lg